Category Archives: Nyelvi Fordulat

Nyelvi Fordulat

Schrottplatz

Rostig, abgenutzt, zerschlissen
klingt von den Saiten der Zeit das Quietschen:
Jeder Teil sei ein Bestandteil des Ganzen,
des Mosaiks, das allmählich zerfällt.
Jedes einzelne Stück schaut doch darauf zurück,
was schon vergangen –
so wird das Ganze in unseren Augen
wieder zu Teilen.

Erinnerungen, ihr!
zerfallene Engelmaschinerien,
irdische Überreste, zu Kram-Schicksal bestimmt;
Rostflügel, die in Feder auseinander fielen,
beerdigt ohne letzte Ehre, lieget hier:
wo man Leichname der Vergangenheit
zu Haufen stapelt.

So baut der Mensch,
zum Eigennutz; sein Werk
zu Kram werfend,
einem schlechten Gott gleich
weil er nichts achtet,
der Mensch, der schlechte Gott.

Schrottplatz:
Friedhof jeder Menge
bastelnd Kreierten.
Strapaziert, rostend, abgenutzt,
einst blank leuchtende,
gefallene Sterne.

Nyelvi Fordulat

Der Turm

Sándor Égh fühlte gedankenlos nach Tabakwaren in der Tasche seines Jacketts, alsdann zog er daraus eine Schachtel Zigaretten mit Heureka-Gesicht hervor. Mit einem Klicks rief er eines der Elemente ins Leben, das die fabrikmäßig gedrehte Stange zum Knistern brachte. Der Mann atmete den Rauch der Tabakstange tief, lang ein, ohne die Asche davon abzuschütteln – er vertraute diese Arbeit einer leichten Brise und der Schwere an. Er selbst hat genug gearbeitet.

Er hielt sich im obersten Stock des selbstgeplanten Glaspalastes auf, und bertachtete zum Fenster hinauslehnend die Stadt, die längst sein Wohnort war, und er beschaute das neue Gebäude. Er hat schon viele Häuser, Wolkenkratzer Hallen geplant, doch dies war vielleicht sein Meisterwerk. Monate früher, als er sich über die Pläne beugte, fühlte er, dass er etwas Besonderes schaffen wurde, was zum Vollkommenen neigte. Die Pläne waren sehr anspruchsvoll, ihre Ausführung ist auch nicht weniger gut gelungen.

Das Mehrzweckgebäude, das ruhig “Turm” genannt werden könnte, war von einem gestaltlosen Becken umgeben, die Tiefe dessen schien bodenlos zu sein. Über jenes Becken ragte das Haus mit seinen zahllosen Stockwerken. S.É. entwarf den Grundriss der Geschösse verschieden, die abweichenden Formen verursachten trotzdem keine statische Probleme, und der Bau, dessen Stockwerke sich obenauf immer mehr verkleinerten, strebte sich ausbreitend zum Himmel.

Ein Journalist hatte ihn einmal den modernen Turm zu Babel, und diese Benennung blieb am Bauwerk kleben. Später hieß es nicht nur in den Medien so, sondern der Name ging durch die Zeitungen und durch das Fernsehen ins allgemeine Bewusstsein über. Man bewunderte den immer wachsenden Riesenbau der unter die Wolken drang, und es gefiel einem dass die blockförmigen, schablonenmäßigen Miethäuser endlich ihr Gegenstück fanden. Sándor Égh dachte darauf zurück, wie schwer es war, den Prozess der Ausführung in Gang zu setzen. Am Anfang war nur ein leeres, ausgegrabenes Fundament dagewesen, daraus war das künftige gesengte Parkhaus zu schaffen, dann mussten die Elemente hergestellt werden, die für die Festigkeit der Konstruktion verantworteten. Das Bauwerk wurde von Tag zu Tag höher, und der Architekt sah, dass es so gut war.

Es ging freilich nicht alles wie am Schnürchen – daran konnte sich Sándor Égh ausdrücklich gut erinnern. Ein Widersacher von ihm, der unbegabte, seines geerbten Vermögens wegen allerdings einflussreiche Architekt Antal Villás wollte ihm um jeden Preis ein Bein stellen. Herr Égh hat wirklich nicht verstanden, warum sein Kollege ihm einen Strich durch die Rechnung machen suchte. Er wähnte in dieser Absicht puren Neid, und die einfache Niegung zur Zerstörung zu entdecken. Wer unfähig zum Schaffen ist, der versucht ja die Werke anderer zu zerstören. Das sind Gegensätze, die das vollbrachte Kunstwerk noch mächtiger machen!

Antal Villás wollte die Vollendung des Bauwerkes mit allen Mitteln hindern, oder wenigstens verzögern. Zunächst rief er die Bewohner auf dem Bauplatz zusammen, damit sie gegen die Investition protestieren, denn die Stadt brauchte sie angeblich nicht. Die Demostration erwies sich als nicht genügend kraftvoll und dauernd, nämlich, als die Bulldozer losfuhren, wich die Masse – zwar die im Voraus ausgeteilten Schlagwörter skandierend – von dem Baupatz heraus. Für Sándor Égh war der empfindlichste Verlust die Vernichtung der Pläne. Man hatte sowohl den originellen, als auch die sicherheitshalber gemachten Kopien verbrannt – ihre Asche fand er an einem Morgen auf seinem Tisch. Die Identifizierung des Planes förderte doch die heil gebliebene Kante eines Papierblatts, worauf der Täter einen gehörnten, grinsenden Teufelskopf – mit – Asche gezeichnet hatte.

Den Architekt kostete bittere Stunden, bis er die Entwürfe ersetzte, am Ende ist es ihm doch gelungen. Schon im Moment, in dem er die verkalkten Überreste sah, wusste er, dass dies lediglich einen Zeitverlust bedeutete: man konnte die Pläne töten, den Genius aber, in seinem Geist behaust, war nicht zu zerstören, so konnte er seine eingeäscherten Zeichnungen jederzeit rekonstruieren. Sándor Égh war zu großzügig und zu stolz als dass er den Sachverhalt gerichtlich nachprüfen ließ.

Er wird den modernen Turm zu Babel sowieso aufbauen, man sucht verbebens ihm oder seinem Kinde zu schaden!

Antal Villás versuchte die Fertigstellung des Bauwerkes auf eine pfiffige Weise weiter aufschieben. Mit einem Male ließ er seine Leute die Nachahmung eines römischen Kunstschatzes in die abzutragende Erde einschmuggeln. Die Archäologen bestätigten allerdings bald die Falschheit des Gegenstandes, und die Arbeiten konnten fortgesetzt werden. Der Übeltäter schrack selbst vor Mord als Endlösung nicht zurück. Zwei seiner Arbeiter verstarben in knapp zwei Wochen; die Tag- und Wochenblätter schrieben sogar über Serienmörder. Antal Villás hatte trotzdem kein Glück: ein Bekannter Sándor Éghs, der Detektiv war, klärte schnell auf, wer den Mord begangen hatte, die Spuren leiteten ihn dennoch nicht zum Sándors Gegenspieler persönlich, weil der bezahlte Mörder während seiner Untersuchungshaft rätselhaft verstarb.

Der schaffende Architekt beschaute eben die Glaskuppel des Gebäudes, als der Fahrstuhl laut surrte und klingelte, bezeichnend, dass jemand im obersten Geschoss ankam. Antal Villás stieg aus dem Aufzug, dann ging er lächelnd an das Fenster los. Er legte den einen Fuß vor den anderen, bis er leztlich neben Sándor Égh die Ellenbogen aufgelegt hat.

– Grüß dich, Sándor! Ich bin nur gekommen, um dir zu deinem Kunstwerk zu gratulieren!

– Hallo Anti. Danke. Es gab einige Sachen gar, die die Übergabe des Bauwerkes gehemmt hatten, es war mir doch gewiss, dass alles sich am Ende lösen würde. – antwortete Sándor Égh, und nahm den Händedruck des Anderen herzhaft entgegen.

– Ja, manches habe ich gehört von denen… aber glücklicherweise kam alles an die richtige Stelle, nicht wahr?

– Ja. Die Maschine dreht sich, der Schöpfer erholt sich. Das hast du recht gut gesagt, alles kam an die richtige Stelle. Fast alles – entgegnete Sándor Égh, und stieß Antal Villás vom Fenster aus.

– Es ist Zeit nach Hause zu kehren! – tat er hinzu, und schaute dem Hinunterstürzenden nach, der sich genau in dem Moment am Boden des schrecklich tiefen Beckens zerschlagen hat.

Der schaffende Architekt schnippte die erloschene Zigarettenkippe über das Becken, und hat auf seinen Flügeln durch das Fenster die Richtung zum Himmel eingeschlagen.

Nyelvi Fordulat

Der Mann der starb

Stefan Habebald wurde unwohl. Er saß in seinem Wagen und kam fast nach Hause an, als er ein heftiges Herzklopfen fühlte. Irgendwie hatte es ihm gelungen, zum Villa Habebald zu gelangen, dann torkelte er, seine Brust öfters betastend, ins Wohnzimmer ein. Sein Medikament, samt einem Glas Wasser, lag, wie immer, von seiner Haushälterin Adele Schaffalles vorbereitet, auf einem Tischlein in der rechten Ecke des Zimmers. Der Mann, der einen starken Druck in seinem Brustkorb empfand, ging schwindlig die lebensrettende weiße Pille abholen. Mitteldings warf er einen von den Sesseln um, durch den er dann fast auf dem Bauch fiel. Merkwürdigen Geruchs wurde er gewahr. Gas? Mal gucken. Später. Er atmete abgerissen, auch seine rechte Hand begann er nicht mehr richtig zu fühlen. Endlich sein Medikament! – Nur einen Augenblick lang sah er die wohlbekannte Pille an, dennoch befiel ihn die Sorge: sie sei nicht seine Arznei. Er hatte aber weder dazu Zeit, darüber zu grübeln, noch dazu, dass er die Pille einnahm. Ein Schatten wurde an die Wand ihm gegenüber geworfen. Die Gestalt hinter ihm stehend hielt ihre rechte Hand gehoben, und sie hielt ein Messer darin. Das Erschrecken lähmte Stefan Habebald so sehr, dass er sich nicht einmal bewegen konnte. Er sah nur, wie die Hand des Schattens Schwung zum Stechen nahm. Er spürte einen scharfen Schmerz – und dann nichts mehr.

V

Am Vormittag dieses bedauernswerten Ereignisses passierte Vieles im Haus – freilich ohne die Anwesenheit und ohne das Mitwissen des Besitzers. Es wohnten nämlich noch einige im Hause außer ihm: die Haushälterin Adele Schaffalles, Adalbert Zuschnitt, der Gärtner, Frau Klein, geb. Margarete Bisschensalz, Köchin von Beruf, sowie Alois Verlangnochwas, der Zimmerkellner. Diese vier hatten verschiedene Natur, aber in einem Zug stimmten Sie überein: sie hassten ihren Arbeitgeber, namens Stefan Habebald. Und sie hatten guten Grund dazu. Im Laufe der bei ihm verbrachten Jahren erlitt jeder von ihnen genug Unrecht und Bosheit. Und am Vormittage jenes bedauernswerten Tages machten die Unverschämtheiten das Maß voll.

I

Adele Schaffalles kochte vor Wut und Hass. Dieser Mann ist ein Ungeheuer! Er machte sie schon damals an, als sie sich zum Hausdienst meldete. Dann setzte er damit in den ersten zwei Jahren unaufhörlich fort, natürlich ohne Erfolg. Stefan konnte sich mit der Zurückweisung nicht abfinden, und seine Neigung zu ihr schlug von Zeit zu Zeit in eine Art Hass über. Von da hätte er keine Gelegenheit verpasst, Bemerkungen über Adele oder bezüglich Adeles Arbeit zu machen, darüber hinaus verminderte er sogar ihr Lohn zu Unrecht. Adele benahm sich klug: sie schwieg, als sie keine Chance hatte dennoch schlug sie sofort zurück, sobald sie es tun konnte. Zuletzt machte Stefan jedoch nicht ihr, sondern ihrer achtzehnjährigen Tochter, Katharina Anträge… Und was fand Adele in ihrem Zimmer vor? Ihre bitter schluzende Tochter, die sich eben zu vergiften versuchte, weil Stefan sie beinahe vergewaltigt hatte. Ein Vieh ist der! Nun, was soll’s! Adele Scaffalles duldete genug. Sie nahm das Gift von Katharina weg, und hielt es mit gesperrten Fingern, zwar wusste sie wohl, was damit anzufangen war. Sie spazierte zum Tisch im Wohnzimmer über, wo Stefans Medizin samt einem Glas Wasser schon von ihr vorbereitet stand. Sie guss das Gift in das Wasser.

N

Adalbert Zuschnitt nahm noch eine Beruhigungspille. Nein. Seine Nerven halten das nicht aus. Sein Arbeitgeber hat auch bisher Ideen gehabt, die den kleinsten Funken der Vernunft vermissten, und es war klar, dass keine Gedanken dahinter standen. Aber die jetzige! Er hat die Entscheidung getroffen, dass er Tulpen in seinem Garten anstelle der Weinstöcke sehen wolle. Es ist doch bereits Ende Oktobers! Zunächst hat der Gärtner die wenig Trauben einzusammeln die er kann, danach die Weinstöcke möglichst mitsamt Wurzeln herauszuziehen, dann den Garten aufgraben, leztlich die Tulpenzwiebeln stecken, die mit dem baldigen Anbruch des Winters gleich zu Tode verurteilt waren. Er durfte mit seinem Chef trotzdem keinen Streit machen; das hatte er ihm zur Zeit des ersten unverwirklichbaren Einfalls an Ort und Stelle mitgeteilt. Nach einer Weile machte er es tatsächlich nich mehr. Adalbert ist darauf gekommen, dass er Stefan nur auf eine Weise von seinem Wunsch abreden kann, so, dass er sich auf den unglaublich honen Preis der Blumenkörner berief. Nu ja, die Lüge hat eine Zeitlang gut funktioniert, voriges Jahr stellte sich die Wahrheit doch heraus – seitdem prüft Stefan selbst die Preise nach, wenn er beahnt, dass der Gärtner ihm gelogen habe. Seit diesem Vorfall kann er also nicht anders, er ist gezwungen zu tun, was Stefan ihm sagt. Adalbert hat mit dem Arbeit angefangen, die Hälfte hat er bewerkstelligt, nur das Graben und Pflanzen ist übrig geblieben. Aber! Was hat der liebe Stefan heute “verlangt”? Er wollte es lieber so, dass der eine Teil des Gartens immerhin voll mit Weinstöcken, der andere aber mit Apfelbäumen bepflanzt sei. Was ist mit den Tulpenzwiebeln zu machen? Wie sollten die Weintrauben zurückgepflanzt werden? Ob die Baumsprösslinge den Winter überleben würden? Dieser Mann macht seine Arbeit kaputt. Was er gestern beschlossen hat, das wirft er morgen ab. Die Natur kann sich solchen Grillen jedoch nicht anpassen. Allerdings, er muss das eben keimende Leben zu Nichte machen. Darum hat Adalbert Zuschnitt Stefan Habebald gehasst.

Es grauste ihm an allen Gliedern vor Habebalds fettem Gesicht und vor seinem geldgierigen Blick. So viel Leiden, und all das seinetwegen! Warum er ihm bis zu diesem Zeitpunkt nicht kündigte? – Weil ein Gärtner mit sechzig Jahren heute schon vom niemandem angestellt wird. Plötzlich hat ihm eingefallen, dass Adele ihn darum gebeten hatte, einige Rosen ins Wohnzimmer überzutragen. Er hat vier schöne, gesunde Rosen abgeschnitten, und ging mit ihnen ins Wohnzimmer hinein, wo er sie in eine Vase stellte. Beim Ausgehen blieben seine Augen an Stefans Tisch und dem Medikament darauf haften. Einen Augenblick lang hat er die Situation heraufbeschworen, als er seinen Chef an diesem Tisch um Erlaubnis bat, um neue Werkzeuge kaufen zu können, denn die alten waren in so schlechtem Zustand, dass einige von ihnen in Stücke zerfallen hatten. Er selbst hatte sie zusammenzukleben, da der Herr des Hauses sein Geld nicht an „Bauernkram” zu vergeuden wünschte. Bauernkram… Den Gärtner überlief der Zorn wieder. Er tastete rasch in seiner Tasche nach dem Beruhigungsmittel, in dem Moment aber, als er die Tablette an seinen Mund hob, ließ er die Hand trotzdem fallen. Eine hinterhältige Idee wurde in seinem Kopf geboren. Er tauschte Stefans Pille mit seiner eigenen aus. Es war nicht sicher, dass er sterben würde, dennoch wird er wohl am Herzen leiden… Und der Gedanke allein hat Adalbert Abschnitt schon mit Freude erfüllt.

D

Ludwig Veglangnochwas machte sich auch Gedanken. Heute morgen kamen wichtige Informationen in seinen Besitz. Informationen, die ihn zum Handeln anspornten, aber zugleich Umsicht und gründliche Erwägung benötigten. Oh Gott, wie lange hat er sich darauf vorbereitet! Hätte jemand je glauben können, dass ihn der Missbrauch eines armen, unschuldigen Kleinmädchens zu diesem nicht mehr zu widerrufenden Entschluss bewegt? Die kleine Katharina ist von jenem Biest wahrlich beinahe vergewaltigt worden! Es war schon viele Jahre her, seitdem er, nur bei sich, Stefan Habebald so zu nennen begann. Und er hatte guten Grund dazu. Da er zugleich ein Sekretär Stefans war, gewann er Einblick in seine dunklen Machenschaften, Unterschlagungen, Hinterziehungen. Der ist ein Ekel, der sogar ihr Leben zu Grunde richtet. Adalbert trieb er mit seinen unmöglichen Vorstellungen, Margarethe mit seiner Unzufriedenheit in den Wahnsinn. Zuerst machte er Adele den Hof, dann molestierte er sie. Wenn er sie nur flüchtig, mit den Fingerspitzen zu berühren wagt…! Ruhe. Ruhe, jetzt wird er sowieso für alles bezahlen! Oh Adele, geschiedene Frau zwar, die für ihn seit jeher doch die unerreichbare Göttin bedeutete! Katharina – die sah er wie seine eigene Tochter an. Er wollte sie unterrichten, pflegen und schützen, sein Wohlwollen ist demgegenüber fehlgeschlagen. Das wird aber nie mehr vorkommen, nichts kann ja einer Adele und Katharina antun, der tot ist. Er berechnete alles schön, im Voraus. Margarethe, die Köchin ging vor einer halben Stunde weg. Der Biest kommt in zirka fünfzehn Minuten nach Hause an, die anderen sind beschäftigt, niemand wird dazwischen zum Erdgeschoss herunterkommen.

Er hat Margarethe angerufen, dass sie noch dies und das kaufen solle, er hat sie ja fernzuhalten. Für diese Zeitspanne lässt er den Gashahn angedreht, damit das Gas sich in der Küche und auch im Wohnzimmer zerbreiten kann. Sobald der Biest ankommt, schlukt er seine Herzpille herunter. Das Gas macht ihn also fertig, Ludwig ruft die Polizei, und wer wird verdächtigt werden? Natürlich die Köchin. Er wird das Ganze in Handschuh machen, so wird man keine Fingerabdrücke finden. Zumindest keine von ihm. Selbstverständlich muss gelüftet werden, so wird man nicht riechen können, wann das Gas angedreht worden ist. Gut schon, und nun vorwärts Richtung Küche!

I

Frau Klein, geb. Margarethe Bisschelsalz stand empört vor dem Markt. Sie machte eben ihren gewohnheitsmäßigen Einkaufsbummel am Vormittag, den sie am schnellsten hinkriegen wollte. Obwohl Ludwig sie unterwegs angerufen hatte, um sie noch was kaufen zu lassen, jenes Ding wurde aus ihrer Erinnerung vertilgt. Was sie auf ihren Zettel aufgeschrieben hatte, kaufte sie, sie ging also jetzt nach Hause los. Sie hat nur nicht gewusst, wie sie mit jenem Mistkerl unter einem Dach weiter ausharren würde…

Stefan Habebald! Wie konnte er ihr dies antun? Frau Klein arbeitete für ihn bereits etwa fünfundzwanzig Jahren. Jeden Tag machte sie den Einkauf, sie bereitete seinen Frühstück, sein Mittagessen und Abendessen zu; sie spülte und hielt die Küche sauber. Sie ertrug sogar die dummen Bemerkungen von Seiten ihres Arbeitgebers, dass man dies und das so und so machen sollte. Er redete in ihre, sowie in Adalberts Arbeit hinein, freilich ohne Sachkenntnisse. Immerhin demütigte er Adalbert nich so sehr wie sie. Gestern abend nämlich bemerkte Stefan, dass zwei Stücke des von seinem Vater geerbten Silberzeuges schwarz zu werden begannen. Er machte riesengroßen Zirkus, und die Äußerung, dass er nie in seinem Leben so eine unzuverlässige, scheußliche, pflichtvergessene Arbeitskraft wie Adele gesehen habe. Sie wehre sich vergebens damit, dass die Vorräte an Sidol schon ausgegangen seien… Sie bat ihn regelmäßig ums Geld zum Einkaufen. Letzte Woche hat sie ihm auferwähnt; das Geld sei alle, sie brauchte mehr. Nicht doch! Keinen Groschen mehr könne er geben, übrigens, es werde sich dazu Zeit finden, mache sie jenen Einkauf später, wenn er es diredkt zu ihr sagt. Allein, jener Unmensch hat es ihr nicht gesagt. Derjenige, der sie gestern feuerte. Diese Tatsache empörte sie so sehr… Und heute schlich er nach Frühstück beim Spülen zu ihr hin, und teilte ihr mit, dass sie morgen ruhig gehen könne. Er hat ihre Nachfolgerin gefunden, deren Foto er ihr unter die Nase schob. Ein blondes Gift war darauf, ungefähr in ihren zwanziger Jahren, posierend mit seinen künstlich schwellenden Brüsten. Was kann das von Kochen verstehen!

Dieser Tag soll noch eingearbeitet werden, sonst kriegt sie keine Abfindung. Der Zorn überkam sie plötzlich wieder. Ein solcher Schurke sollte sterben!

Oh, hier ist er schon… Am Haus, das sie gestern Abend noch ihr Zuhause nannte, obwohl sie es nie als ihr Zuhause empfand.

Sie machte die längstgewohnten Handlungen. Herein ins Haus, eine Abkürzung ins Wohnzimmer… Halt! Riecht sie Gas? Hätte sie den Gashahn geöffnet gelassen? Jesus! Schnell drehte sie ihn ab und öffnete das Küchenfenster. Sie hörte Ludwigs Stimme aus der Ferne. Er telefonierte. Es ist noch immer zu viel Gas hier. Es wird sowieso ausziehen.

Sie hat die Gemüse hervorgenommen, dann hat sie sie gewaschen und geputzt. Danach nahm die Frau das große Küchenmesser aus dem Schubfach, um damit die Gemüse aufzuschneiden. Aber das Gas! Sie hatte, eher als es ihr unwohl würde, herauszugehen…

Stefans Auto bremste scharf. Sie schlug das Küchenmesser an das Pult und ging an die Tür los. – Hallo, ist jemand da? Hilfe!

Stefan stürzte nun ins Wohnzimmer, so, als wäre er getrunken gewesen. Er stürzte gegen etwas; er muss also wieder etwas mit dem Herzen haben… Die ganze Küche fing an, sich um Margarethe zu drehen. Im nächsten Moment fiel sie zusammen.

C

Katharina näherte sich zu Stefan Habebald mit geräuschlosen Schritten. Sogar von da, von hinten widerte sie dieser Biest an.

Jetzt wird er bezahlen dafür, das er ihr zugefügt hat. Stefan wurde unwohl, er fasste das Glas keuchend und zappelte nach seinem Medikament. Katharina kam hinter das Rücken des Biestes. Sie hob ihre rechte Hand, das Messer haltend, das sie aus der Küche mitgenommen hatte, als die Köchin nicht zusah. Stefan konnte ihr Schatten erblicken, weil ihr ganzer Körper unversehens erstarrte. Die Zeit der Rache ist gekommen, sie kann ihren Hass loslassen. Sie schwang ihren Arm hoch, hierauf wurden aber ihre Finger vor der Bestürzung schlaff, und das Messer fiel aus ihrer Hand.

T

Totenregister (Auszug):

“Stefan Habebald – verstorben am 4. November 2006 – Todesursache: Herzinfarkt verursacht durch Koronaria (Herzkranzgefäß)-Erkrankung.”

A*

Obwohl der Tod mag für ihn viel zu wenig sein …

*Vindicta (lat.) Rache